Berufungswege

Die Sonne ist da, lass sie in dir aufgehen

Lourdes in dir leben lassen

Lourdes August 2020 Grotte

Maria, du Unsere Liebe Frau von Lourdes,
zu dir kommen die Gesunden und Glücklichen;
sie beten in Freude und Dankbarkeit.

Zu dir kommen die Kranken,
sie beten um Gesundheit
der Seele und des Leibes

Zu dir gehen die Blicke der Einsamen und Verlassenen,
vor dir weinen die Trauernden.

Mit dir beten Kinder,
die keine Heimat finden oder die ihre Mutter verloren haben.

Mit dir beten junge Menschen,
die in das Leben hineingehen
und von einer Mutter begleitet werden wollen.

Mit dir beten die Menschen in der Mitte des Lebens,
die von Mutterhänden getragen werden wollen.

Mit dir beten Familien,
die dir ihren gemeinsamen Weg anvertrauen.

Mit dir beten Ordensleute,
die in dir das Vorbild ihrer Berufung sehen.

Mit dir beten Priester,
die Geborgenheit in deiner mütterlichen Liebe suchen.

Mit dir beten alte Menschen, die wissen,
dass sich ihr Weg durch dieses Erdental dem Ende zuneigt.

Mit dir beten viele Menschen,
die sich nach Liebe und Geborgenheit sehnen

Mit dir betet die ganze Kirche.
Sie dankt dir, weil du ihre Mutter bist.
Sie vertraut dir alle Menschen an.
Sie bittet dich: Zeig ihnen den Weg zu Jesus,
damit sie die Quelle sehen und aus ihr trinken
und damit sie erleben dürfen,
dass es schön ist, eine Mutter zu haben!

P. Benedikt Leitmayr osfs
Ehrenkaplan der Wallfahrtsstätte von Lourdes

Grotte in Lourdes 2019

An meine Schwester Maria

Es war deine Berufung, Maria,
an dir geschehen zu lassen, was Gottes Wille war.

Es war deine Berufung, Maria,
den Herrn zu begleiten in seinen Kindertagen.

Es war deine Berufung, Maria,
den Kreuzweg mitzugehen und sein Leiden mitzutragen.

Es war deine Berufung, Maria,
an der Freude der Auferstehung teilzunehmen und seinen Geist zu empfangen.

Du bist deiner Berufung gerecht geworden.

Du warst, Maria, die der kleinen Bernadette in der Grotte
als die Unbefleckte Empfängnis erschienen ist.

Dein Lächeln ist es, Maria,
das Hoffnung und Vertrauen in das Leben der Bernadette geschenkt hat.

Dein Lächeln ist es, Maria, das mir heute,
wenn ich in der Grotte von Lourdes stehe, die Hoffnung schenkt.
Gott liebt mich über alles.

Ich danke dir – Maria.

Ich möchte von dir lernen,
meiner christlichen Berufung gerecht zu werden,
und an mir geschehen lassen,
was Gottes Wille ist.

Ich danke dir – Maria.

Ich will das Magnifikat – dein Loblied, das
"Meine Seele preist die Größe des Herrn" –  anstimmen.

Dein Lobgesang weist auf die Berufung des Menschen hin.

Der Mensch ist berufen, Gott zu loben.

Ich danke dir – Maria,
dass du mich durch dein Magnifikat zu meiner Berufung in die Gotte von Lourdes einlädst.

P. Benedikt Leitmayr osfs
Ehrenkaplan der Wallfahrtsstätte von Lourdes

Bernadette Taufsteinbild
Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“
Ein Gespräch mit unserer lieben Frau von Lourdes
Zusammengestellt von P. Benedikt Leitmayr osfs
Eherenkaplan der Wallfahrtsstätte von Lourdes


Bernadette:
„Maria lass mich ein wenig erzählen, wie es war, als ich zum ersten Mal zur Grotte ging. Es war ein kalter Wintertag, der 11. Februar 1858, und wir hatten kein Holz mehr im Cachot, im alten Stadtgefängnis, dass man uns als Notunterkunft überlassen hatte. Ich sagte zu meiner Mutter: Ich geh mit meiner Schwester und meiner Freundin nach Massabielle, zum alten Felsen. Dort gibt es sicher Holz. Wir holen eines, dann können wir wieder Feuer machen und wir frieren nicht mehr so entsetzlich. Dann sind wir aufgebrochen. Ganz fröhlich sind wir drei den Weg zur Grotte gerannt. Als wir ankamen, begannen die beiden anderen auch gleich mit dem Holz sammeln.
Ich aber, hörte plötzlich ein Rauschen. Zunächst schaute ich auf die Bäume, aber die bewegten sich nicht. Dann, auf einmal zog es meinen Kopf hin zur Grotte und ich sah eine Dame ganz in weiß dastehen. Ich schaute sie lange an, bis ich sie fragte: Wer bist du? Doch du hast mir damals deinen Namen nicht gesagt, sondern du hast mir gesagt:

Maria:
Schau mich einfach an und komm näher. Mehr ist jetzt nicht wichtig. Siehst du, welches Zeichen ich dir mache?

Bernadette:
Ja, ich sehe, es. Du machst mir mit deiner Hand Zeichen, näher zu kommen. Aber ich weiß nicht, ob ich das tun soll. Ich kenne dich doch gar nicht.

Maria:
Aber, Bernadette, du brauchst doch keine Angst haben. Ich tue dir doch nichts. Schau mich mal gut an. Ich stehe nämlich nicht im Dunkeln. Ich stehe ganz im Licht.

Bernadette:
Ja, das ist mir auch schon aufgefallen und ich denke mir: Du kannst nur von Gott sein, so schön wie du bist. Deshalb nehme ich jetzt meinen Rosenkranz aus der Tasche und beginne zu beten. Denn wenn ich bete habe ich keine Angst mehr vor dir. Betest du mit mir?

Maria:
Beten, das ist eine gute Idee, Bernadette. Ja, ich bete mit dir!

Bernadette:
Ich kann aber nur den Rosenkranz beten. Mehr kann ich nicht. Weißt du, ich kann auch nicht lesen und schreiben, aber den Rosenkranz beten wir zuhause jeden Tag. Deshalb kann ich ihn.

Maria:
Das ist schon gut, Bernadette. Bete nur, den Rosenkranz.

Bernadette:
Ja, dann fange ich jetzt an. Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, .... Du kennst ja auch das Vater unser. Das ist aber schön. Dann können wir ja ab jetzt gemeinsam beten.
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, ....  Ja, was sehe ich den jetzt: Du neigst deinen Kopf und du lächelst mir zu. Das tut mir tut. Dein Lächeln schenkt mir Geborgenheit und Vertrauen. Aber darf ich dich jetzt noch mal fragen, wer du bist?

Maria:
Bernadette, dass ist jetzt wirklich nicht wichtig. Komm jetzt beten wir einfach mal zusammen. Meinen Namen sage ich dir dann, wenn du ihn auch verstehen kannst. Das ist jetzt noch zu früh. Bist du bereit wieder einmal zur Grotte zu kommen?

Bernadette:
Ja, ich komme gerne wieder; denn ich fühle mich bei dir sehr wohl. Ich habe jetzt auch keine Angst mehr und in meinen Inneren, gibt es etwas, das sagt mir, dass ich dir vertrauen kann und dass es wahr ist, was ich mit dir erlebe.

Maria:
Bernadette, ich werde dich aber nicht glücklich machen in dieser Welt, sondern in der anderen! Fällt es dir schwer auf das Glück dieser Welt zu verzichten und auf das Glück der anderen Welt zu warten?

Bernadette:
Es fällt mir nicht schwer; denn ich vermute mit der anderen Welt meinst du die Geschenke Gottes wie Glaube, Hoffnung und Liebe. Solche Geschenke nehme ich gerne an; denn ich liebe Jesus. Ich habe ihn richtig gern.

Maria:
Sehr schön, Bernadette. Die Geschenke Gottes annehmen und Jesus lieben, kann aber auch Leiden bedeuten. Fürchtest du dich davor?

Bernadette:
Nein! Ich fürchte mich nicht; denn du bist ja da! Und dein vertrautes Lächeln macht mir Mut. Außerdem habe ich den Eindruck gewonnen, dass du Jesus auch sehr liebst; denn ich sehe irgendwie und irgendwo die Spuren Jesu an dir. Zudem ist es wirklich auffällig, dass du so schön im Licht stehst. Sag mir woher kommt das Licht in dem du stehst?

Maria:
Dieses Licht kommt von Gott; denn nur er kann den Menschen wirklich ins Licht rücken und zwar in das Licht der Welt und das ist Jesus.

Bernadette:
Ich habe mir ja gleich gedacht, dass du von Gott kommst; denn wer so im Licht steht wie du, der kann nicht vom Teufel kommen. Wenn ich dir begegne kann ich also nur ins Licht und nicht in die Dunkelheit kommen. Ich bin mir auch ganz sicher, dass ich dir vertrauen kann, auch wenn ich deinen Namen nicht weiß. Zudem hast du auch wie ich einem Rosenkranz in der Hand. Du trägst ein weißes Gewand mit einer blauen Scherpe und auf deinen Füßen blühen die Rosen. Das sind alles Zeichen, die von Liebe sprechen.

Maria:
Schön, dass du mir vertraust, Bernadette. „Geh, jetzt hin zur Quelle, trinke daraus und wasche dich darin.“

Bernadette:
Aber, ich sehe ja gar keine Quelle. Wo soll denn hier eine Quelle sein? Du meinst, ich soll zum Fluss gehen, daraus trinken und mich darin waschen.

Maria:
Nein, den Fluss, meine ich nicht. Der ist zu reißend. Ich meine wirklich eine Quelle, die aus der Grotte entspringt. Geh, bitte in die linke Ecke der Grotte und beginne dort mit deinen Händen zu graben. Du wirst du sehen, es kommt Wasser, das du trinken und in dem du dich waschen kannst.

Bernadette:
Gut, ich tu, was du sagst. Ich gehe in die linke Ecke der Grotte und grabe dort. Tatsächlich, da kommt wirklich Wasser. Da ist wirklich eine Quelle, aus der zwar zunächst schmutziges Wasser gekommen ist, aber dann so klares Wasser, dass ich es wirklich trinken und mich darin waschen kann. Allerdings muss ich dir auch gestehen, dass ich das Wasser, die ersten drei Male weggeschüttet habe, aber beim vierten Mal konnte ich es schon trinken. Aber sag, woher hast du eigentlich gewusst, dass hier eine Quelle ist? Kennst du diese Gegend so gut? Du wohnst doch gar nicht in unserer Stadt.

Maria:
Ja, ich kenne diese Gegend gut und besonders vertraut ist mir diese Grotte. So habe ich auch gewusst, das hier ein Quelle ist. Du hast das Wasser zunächst dreimal weggeschüttet. Ich kann dir auch sagen, warum? Das erinnert an die Leidensgeschichte Jesu. Darin hat Petrus den Jesus dreimal verleugnet und du sollst den Weg zur Quelle heute für die Sünder gehen. Mein Auftrag für dich ist: „Bete zu Gott für die Sünder!“

Bernadette:
Ja, das will ich gerne tun; denn ich möchte, dass alle Menschen umkehren und Jesus lieben. Jesus soll alle Menschen wie den Petrus fragen: „Liebst du mich?, und das nicht nur einmal, sondern dreimal.“ Denn wenn die Sünder sich bekehren und die Menschen anfangen Jesu zu lieben, dann bricht die andere Welt an, in der du mich glücklich machen willst. Ich glaube, dass habe ich richtig verstanden.

Maria:
Ich freue mich, dass du so einfach meine Aufträge annimmst; denn ich habe noch welche für dich: „Geh zu den Priestern und sage ihnen, dass man hier eine Kapelle bauen und dass man hierher in Prozessionen kommen soll. Weißt du, ich möchte, dass sich die Menschen um Jesus versammeln, dass hier Eucharistie gefeiert wird und dass die Menschen als Volk Gottes Jesus und sein Licht in die Welt tragen. Willst du das für mich tun, Bernadette?

Bernadette:
Ja, auch das tue ich. Aber willst du mir nicht doch zuerst sagen, wer du bist, denn es werden mich sicherlich die Priester fragen, von wem ich den Auftrag habe?

Maria:
Sag ihnen einfach: „Von der Dame von der Grotte. So hast du auch bisher allen Leuten geantwortet. Vertrau mir, es wird alles gut gehen.

Bernadette:
Gut, ich mache es so, wie du gesagt hast. Aber was soll ich tun, wenn sie mir nicht glauben? Weißt du, ich denke, sie würden mir vielleicht leichter glauben, wenn ich ihnen deinen Namen sagen könnte.

Maria:
Mach dir darüber mal keine Sorgen. Vielleicht glauben sie es dir beim ersten Mal nicht, aber eines Tages werden sie dir glauben. Allerdings wirst du dafür auch noch einiges zu leiden haben. Doch ich werde auf diesem Weg mit dir sein.

Bernadette:
Angst habe ich keine mehr; denn ich habe die innere Überzeugung, dass du mir einen Auftrag von Gott gibst und für Gott tue ich das gerne, selbst dann, wenn es nicht leicht ist und ich leiden müsste.

Maria: Schön, Bernadette, dann geh zu den Priestern und sage es ihnen und dann komme wieder zu mir.

Bernadette:
Ich bin wieder da bei dir, du schöne Dame in der Grotte. Jetzt war ich beim Pfarrer. Er hat mir gesagt: Wenn die Dame von der Grotte eine Kapelle und eine Prozession haben will, dann soll sie den Rosenstrauch an der Grotte, jetzt im Winter zum Blühen bringen. Erst dann glaube ich ihr. Vielleicht hätte ich doch deinen Namen wissen sollen? Willst du mir nicht doch deinen Namen endlich sagen. Ich frage dich jetzt einfach dreimal, sowie Jesus den Petrus dreimal gefragt hat. Vielleicht sagst du mir ja doch wer du bist?

Maria:
Bernadette, ich sag dir, wer ich bin; denn jetzt ist die Zeit dafür gekommen. Hör mir gut zu: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!“ Verstehst du was das heißt?

Bernadette:

Nein, denn ich habe diesen Ausdruck noch nie gehört. Willst du mir sagen, was Unbefleckte Empfängnis bedeutet?

Maria:
Ja, ich sage es dir. „Ich bin das, was Gott in seiner Gnade und Liebe aus mir gemacht hat. Ich bin die hl. Jungfrau, das heißt: Ich bin die Frau, die Gott von Anfang an vor jeder Sünde bewahrt hat. Ich bin dieses Frau deshalb geworden, weil Gott mich von Ewigkeit her erwählt hat, die Mutter seines Sohnes Jesus Christus zu werden und ich habe dazu ja gesagt. Ich habe zu dem Engel, der mir diese Botschaft brachte, gesagt. „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort.“

Bernadette:
Du bist also die heilige Jungfrau. Du bist Maria, die Mutter Jesu. Ich habe ja schon öfters gedacht, dass du von Gott kommst, aber das ich der Gottesmutter hier auf dieser Erde begegnen darf und mit ihr reden kann, das hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt. Und jetzt ist es Wirklichkeit geworden in meinem Leben. In meinem armen kindlichen Leben. Aber vielleicht hat Gott mich ja dafür auserwählt, weil er keine ärmere mehr in dieser Gegend fand.“ Wie schön Maria, dass ich dir in der Grotte begegnen darf und dass du als Gottesmutter, meine Mutter geworden bist. Voll Freude will ich den Menschen sagen: Die Grotte ist mein Himmel und wenn ihr auf der Erde ein Stück Himmel erleben wollt, dann geht mit mir zur Grotte von Massabielle; denn dort könnt ihr mit mir der Gottesmutter begegnen und da, wo ihr der Gottesmutter begegnet, da ist ein Stück Himmel mitten auf dieser Erde; denn in ihr ist Christus gegenwärtig.

Maria:
Bernadette, ich beauftrage dich nicht die Menschen mit dieser Botschaft zu bedrängen, aber ich beauftrage dich ihnen diese Botschaft weiterzusagen, damit sie in den Glauben an Gott hineinwachsen. Aber jetzt geh zu den Priestern und sag ihnen wer ich bin, damit sie mit dem Bau der Kirche und mit den Prozessionen beginnen können. Jetzt werden sie deine Worte annehmen und meinen Wunsch erfüllen.

Bernadette:
Maria, wie schön ist es, dich zu kennen und dich zu lieben; denn das gibt mir ein richtiges Zuhause. Ich habe erfahren, dort wo du meine Mutter wirst, da ist mein Zuhause und ich wünsche allen Menschen, dass du für sie Mutter werden darfst, damit sie das Zuhause der Liebe und des Friedens Gottes erleben. Danke, Maria, du Unbefleckte Empfängnis. Für die Begegnungen und das Gespräch hier auf dieser Erde. Ich werde zwar in der Grotte von Massabielle von dir Abschied nehmen müssen, aber ich bin zutiefst überzeugt, dass ich dich im Himmel wiedersehen werde. Wenn ich jetzt von dir in der Grotte Abschied nehme, verspüre ich eine solch tiefe Sehnsucht nach dir, dass ich eigentlich gleich sterben möchte, um dich im Himmel wieder zu sehn.

Maria:
Schön, Bernadette, dass du mich im Himmel wiedersehen willst, aber jetzt geh erst einmal deinen Weg auf dieser Erde zu Ende und nimm das an, was Gott in deinem Leben auf dieser Erde für dich vorgesehen hat. Deine Berufung wird die des Gebetes für die Sünder und für die Umkehr der Menschen sein. Lebe diese Berufung mit all deiner Kraft.

Bernadette:
Ja, Maria, das will ich tun und ich habe auch keine Angst, denn jetzt weiß ich, was immer auch kommen mag. Du bist bei mir wie jede Mutter bei ihrem Kind. Danke, Maria, für alles, was ich mit dir in der Grotte erleben durfte. Danke, dass du mit mir geredet hast, so wie ein Mensch mit einem Menschen redet. Danke, dass du dich der Welt als Mutter schenkst. Danke, dass wir dich als Unbefleckte Empfängnis feiern können.

Basilika Lourdes